Die Feuerbestattung

In vielen Kulturen gilt das Feuer als reinigende Kraft, die die Seele und den Körper läutert. Daher ist die Feuerbestattung in vielen östlichen Ländern die bevorzugte Form der Bestattung, da die Vorstellung besteht, dass der verstorbene Mensch dadurch seine irdische Hülle am besten verlassen kann. In der Religion des Mittelalters war diese Vorstellung teilweise auch vorhanden, da man Ketzer und Häretiker unter anderem deshalb verbrannt und nicht beerdigt hat, weil man glaubte, dass das Feuer zumindest ihre verderbten und verlorenen Seelen läutern könne, so dass sie eventuell doch der Gnade Gottes teilhaftig werden konnten.

 Im westlichen Kulturkreis war und ist jedoch seit langer Zeit die Erdbestattung, bei der der komplette Körper der Erde übergeben wird, die bevorzugte Form. Auch hier spielen sicher die Einflüsse der Religion eine grosse Rolle, wurde doch gemäss dieser Vorstellungen der Mensch aus Erde und Staub geschaffen, so dass er auch wieder dazu zerfallen soll, wenn er gestorben ist. Aber in den letzten Jahrzehnten erlebt auch hier die Feuerbestattung einen Aufschwung.

Die Gründe liegen zum einen sicher bei vielen im Bereich der Kosten, zudem ist ein kleines Urnengrab leichter zu schmücken und zu pflegen, wenn man sich überhaupt für ein Grab entscheidet, zum anderen spielt auch die Phantasie eine Rolle. Vielen Menschen ist die Vorstellung angenehmer, dass ein geliebter Mensch in einem reinigenden Feuer zu etwas Asche verbrannt wird, als dass er dem langsamen Verwesungs- und Zersetzungsprozess in der Erde ausgesetzt wird.

Vorgehen bei einer Feuerbestattung

Eine Feuerbestattung kann erst vorgenommen werden, wenn die Totenruhe abgelaufen ist. Diese beträgt in den meisten Kantonen 48 Stunden. Zudem gibt es oft die Vorschrift, dass Herzschrittmacher vorher vom Arzt oder Bestatter entfernt werden müssen. Andere metallene Gegenstände wie Zahnersatz oder künstliche Gelenke werden nach der Kremation aus der Asche gesiebt und entsorgt.

Wenn ein verstorbener Mensch kremiert werden soll, so findet üblicherweise vorher eine Abdankungsfeier mit dem Sarg statt. Dieser wird geschmückt und aufgebahrt, wenn möglich sogar offen, damit die Teilnehmer noch einmal Abschied vom Verstorbenen nehmen können. Der Sarg ist dabei ein spezielles Modell, da darauf geachtet wird, dass es bei der Verbrennung zu möglichst wenig Rauchentwicklung, Umweltbelastungen und Rückständen kommt. Auch die Kleidung des Toten sollte nur aus einem leichten Leichenhemd bestehen, metallene Gegenstände oder solche, die schlecht verbrennen und viel Rauch entwickeln, sind nicht gestattet.

Im Anschluss an die Abdankungsfeier können die Trauergäste den Sarg bis zur Aufbahrungshalle des Krematoriums begleiten, der eigentlichen Kremation dürfen sie jedoch nicht beiwohnen. Die Verbrennung findet in speziellen Öfen unter der Aufsicht des Fachpersonals statt und nimmt mehrere Stunden in Anspruch. Zum Schluss wird die Asche entnommen, oft zu einem feinen Granulat vermahlen und in eine Urne eingefüllt. Diese Urne kann von den Angehörigen abgeholt werden, die dann darüber verfügen können, wie sie mit ihr weiter verfahren möchten. Dies kann eine Beerdigung auf einem Friedhof sein, aber auch das Verstreuen der Asche in Luft oder Wasser oder die Aufbewahrung zu Hause sind zulässig. Was also dem Andenken an den Toten am besten entspricht, können die Hinterbliebenen selbst entscheiden.